Kantate vom Zinswolf
(Text: L. Köster; Musik: L. Köster, J. Brahms, J. Sibelius)
Nachfolgend finden Sie den Stand der Texte der einzelnen Chor-Gesänge.
Es sind noch leichte Detail-Änderungen möglich.
Die Ballade vom Zinswolf (v1.1)
Der Wolf, er lebt als Räubertier, die Höhle reicht ihm aus.
Der Mensch, er mag's gemütlicher, drum baut er sich ein Haus
Mensch, werde menschlich
Der Mensch erbaute Haus und Stadt, den Wölfen blieb der Wald
Der Ofen hielt die Wohnung warm, die Höhlen blieben kalt.
Sei auf der Hut, (denn die) Wildnis schafft Not
Dann kam der Wolf als Mensch zurück und kaufte sich das Haus
und presste aus den Mietpartei'n den Maximalzins raus
Mensch, bleib menschlich
Die Städte wurden Räuberland, die Häuser Mietzins-Pressen
Die Investoren haben uns den Wohlstand weggefressen
Mensch, bleibe menschlich, halt' Frieden um dein Haus,
halt Räuber und die Wölfe aus deinen Städten raus
Sie bauen nicht für's Menschenwohl, sie bau'n profitgerecht
Wir Mieter sind in Herdenhaltung, Mietvieh ohne Recht
Mensch, bleibe menschlich
Der Mietzins frißt das Lohngeld auf, den Schwachen räumt man weg.
Er friert und stirbt in Höhlen, Zins ist Zweck und Mensch ist Dreck.
Sei auf der Hut, (denn der) Räuber schafft Not
Wer glaubt noch dem Parteisoldat, wer hofft auf den Senat
Sie scheuen keine Lügerei und keinen Wahlverrat
Mensch, bleibe menschlich
Die Mietenbremse bremste nie, Milljöhschutz ist ein Witz
Sozialbau ist Vergangenheit, Erpressung ist Gesetz
Berlin, du hast die Pest an Bord, der Zinswolf frißt die Stadt
Die Räuber und die Funktionär' sind nimmer, nimmer satt
Bürger, Bürger, wer gibt Rat?
Was glauben?
Was hoffen?
Was tun?
Feldesnacht
(Text zu Brahms 'Waldesnacht')
(1) Tempelhof, du Feld der Stille
auf dich muß ich täglich fliehn
Nach dem lauten Stadtgewühle,
tröstet mich dein Abendglüh'n
Träum ich von gerechten Mieten
Bürgerpolitik,
Daß mir Wähler, wie versprochen
ohne Lüg und ohne Trick,
Ein Senat erwirke Glück.
(2) And'res seh' ich, böses Trachten
Mieterpressung, Ausverkauf
Stadtverdichtung, Menschverachtung
Investoren Amoklauf.
Hier verdrängt, dort fortgetrieben
Mieten maximiert
unter Brücken frier'n und sterben
Unser Blut wird investiert
daß ein Räuber profitiert.
(3.1) Tempelhof, du siehst uns stille
unter'm Abendstern sinnier'n
noch ist Frieden Bürgers Wille
doch es könnte viel passier'n,
doch es kann sehr bald passier'n.
(Einschub LK) Bürgerfrieden, stummes Dulden
all' der Lügen ohne Maß
angefüllt durch Raubverschulden
steht ein übervolles Faß
Hütet euch,
spuckt nicht hinein,
greift nicht zum Feld,
legt keinen Brand in uns're Häuserreih'n
das könnt' des Bürgerfriedens letztes Ende sein!
Wenn jeder jeden jederzeit beraubt,
wenn keiner keinem irgendetwas glaubt,
wenn keiner mehr dem Menschen-Frieden traut,
wenn jeder nach der End-Erlösung schreit?
wer löschte diesen Brand?
Hütet Euch! Hütet Euch!
(3.2) Nachtigall, sing deine Lieder
Mensch sei auf der Wacht!
Ring' den Raub, den Wahnsinn nieder,
Trau den Menschen, nicht der Macht,
Wildes Herz, dann gute Nacht!
Vorspruch
Wir sitzen zitternd vor der Wand der großen Herrschermacht
Doch nicht Dämon, Vulkane, Sturmgewalten drohen,
Biedere Menschen sind's, die das erdacht.
die Menschenarbeit rauben und das Land verrohen.
Wir wollen dieses böse Spiel versteh'n
Wir woll'n den Spielern in die Karten seh'n!
Wir haben die Akteure auf ihr Wesen reduziert,
das grausig-wahre Drama sei Euch aufgeführt.
Die Erschöpften / Klage
Wir schaffen mehr und mehr, und werden ärmer immer.
Wir wählen hin und her, und es wird täglich schlimmer.
Das Schaf, es hat das Recht auf einen Stall,
kein Hund muß hierzuland' im Regen darben.
Wir Müden wissen abends nicht, ob wir
am nächsten Tag noch eine Wohnung haben.
Ihr Herrn, wo steht uns Glück bereit?
Ihr Herrn, wann finden wir Gerechtigkeit?
Die Janusköpfe / Priestergesang
Wir Auserwählte kennen eu're Leiden,
doch müssen wir das Große, Ganze seh'n.
Gesetzeszwang, die Scheu der Investoren,
der Wirtschaft heilig Wachstum und der ew'gen Ordnung Fortbesteh'n.
Selbstlos beschützen wir euch mit Gesetzen,
solange sie dem Mietzins keine Schranken setzen.
Daß nichts euch schrecke, schließen wir die Tür.
Vertraut uns blind, wir geben Sicherheit dafür.
Wer treu erduldet, hofft und niemals Zweifel hat,
der ist ein braver, treuer, ein rechter Demokrat.
Das Wuchern / Mehr
Mehr, Mehrwert mehr, Wachstum muß ihn mehren
schnell, Zinsen, schneller, Zins ist Zins Begehren.
Brennt die Stadt, dörrt das Land, schmelzt Pol und Gletscher blank
Es zählt nicht was, es zählt nicht wer, nur mehr.
Die Janusköpfe / Gangsta Rap
Die Türen fallen sanft ins Schloß.
Die Bürger wurden in den Schlaf gesungen.
Die Masken fallen endlich in den Schoß.
Jetzt kann die Arbeit für die eigentlichen Herrn beginnen.
Gangsta, Mabuse, Funktionär, wir sind die Türsteher, die Auf- und Zuhälter,
wir schaffen mächtig für Euch an, ich schwör', das MEHR...
Gas, Strom, Wasser, Schwimmbad-Suhlen, S-Bahn, U-Bahn, Klos und Schulen,
kürzen, streichen, schließen, roden,
dann könnt ihr euch mit Monopolen
die Dividende holen, mit Extrabonen, auf leisen Sohlen,
weil wir für euch die dirty jobs ganz sauber durchgezogen.
Doch wollt ihr wirklich krass das Mehr, Mehr?
Da muß die Immo-mo-mo-mobilie her.
Wir liefern voll die Wohnungsnot,
aus billig Sozibau wird Top-Top-Topgebot,
Full house, Schach matt, Monopoly,
ihr könnt die Miete pressen, pressen wie noch nie
Hey, Hedge-Font-Hengst, Investor, Börsen-Hai
Wir laden ein zur großen Flugfeld-Schlachterei!
Das fette Filet-Neubau-Land, entflammt den mega Mietenbrand,
Das Bürger-Schaf könnt ihr mit Staffelmieten schlachten.
Das Billigschaf kann sich 'ne frisch sanierte Brücke pachten.
Schaf-Bürger sollen schuften und nicht chillen,
die miesen Altbaumieten soll'n wie Hefe quellen.
Ich schwör dir, Bürgerspaß, das war's, Milliarden spuckt das Gras.
Hey, Fluchpiraten, wilde Zins-Räuber-Schar,
wir bulldozern euch die Stadt, ihr profitiert auf voller Breite.
Vergeßt uns nicht, macht mal 'nen Posten klar.
Wir sind doch treulich mit euch auf der Nehmenseite.
Die Erschöpften / Zorn
Hört, hohe Herrn, wir haben ausgewählt.
Hör, Funktionär, wir haben ausgeglaubt,
Wir seh'n uns ausgeraubt und haben ausgehofft.
Ihr habt uns angelogen, allzu böse, allzu oft.
Ihr sprecht von Wirtschaft und ihr meint das Rauben.
Ihr schließt die Türen und verordnet Glauben.
Wir schau'n uns um, wir rechnen nach, und wir entdecken,
wir hören, sehen, spühen eure böse Tat an allen Ecken.
Wir sehen klar, des Bürgers letzten Friedenspfand,
das Tempelhofer Feld seh'n wir in eurer Hehlerhand
Der ungeteilte Himmel, Feierabendstrand,
Die Wiese freier Träume, rundum Horizont
Im Abendfrieden ruhiger Menschen Stimmen,
Der Kinder Freude und der Lerchen Singen,
Das Leben, das die Steinstadt täglich uns verwehrt.
Der Frieden, den der Bürger dieser Stadt begehrt.
Das Feld zeigt uns, was Räuber uns entwenden,
die Lebenssehnsucht, greifbar in den Händen:
ein jeder singt sein Lebenslied im Freien
ein jeder kann in Offenheit gedeihen.
So woll'n wir leben, frei und einzeln wie ein Baum,
und brüderlich geborgen wie ein Wald!
Aus diesem Wissen hat der Bürger ein Gesetz erstellt,
Es schützt zu Einhundert Prozent das Tempelhofer Feld!
Wer diesen Bürgerwillen bricht, bricht jeden Eid.
der ist zu jeder bösen Tat bereit.
Wer dieses Feld verkauft, verkauft Berlin.
Wir sehen uns're Stadt in Flammen, und ihr löscht sie mit Flugbenzin.
Nach Treu und Glauben sollt Ihr uns Vertreter sein!
Wir klagen die gebrochenen Versprechen ein!
Im Schulbuch steht, wir sind der Souverän?
Heut' wollen wir in alle Bücher seh'n!
Die Janusköpfe / Demokratie
Nie sollt ihr uns befragen
Nie lauschen, wenn wir tagen
denn die geheime Tat
ist uns'res Standes Art.
wenn Lobbywünsche ins Gesetz wir bringen
wenn Asphaltwüste wir zu Gold verspinnen
wenn wir Kultur in Reichtum übertragen
wenn wir den Mietzins in die Höhe jagen
Nie könnt ihr uns verklagen
Nie aus dem Amte jagen
Denn alle Pracht und Macht
ist von uns selbst verfasst.
So ratet, was euch zugedacht!
Ihr wählt aus sieben Sockenfarben,
die Urne schluck's und weist euch wahr.
Was immer wir versprochen haben,
es ist der Schnee vom letzten Jahr.
Hoffst du auf Amtseid und Gewissen?
Auf's Streben nach des Volkes Wohl?
Traust du den Richtern, Sprechern, Journalisten?
Proporz in Sender, Amt und Europol?
Erwache, Untertan, aus dieser Groschen-Phantasie
Ein Schabernack im Freizeitfrack
Ein Zaubertrick mit Kuschelblick
Ein Fernsehspiel mit Hypnothie
doch: Demokratie war's nie
Zwischenpruch
Die Handelnden sind Euch im Wesen vorgestellt,
Es sei erlaubt, daß jeder noch sein Schlußwort hält.
Das Wuchern: Finale
Aus kleinstem Unrecht wuchsen wir hervor, weil man uns lies,
weil man uns nicht als Räuber in die Schranken wies.
Jetzt haben wir aus Unrecht Recht erschaffen,
jetzt wachsen wir aus Macht und Zwang und Waffen,
jetzt schaffen raubend wir den Schaffenden die Not,
die Gier will ewig Wachsen, der Krebs strebt heiter wuchernd in den Tod.
Die Janusköpfe: der Job
Solch einem Job, dem hält nicht jeder stand,
zwischen zwei Masken eingespannt,
immer im Zwiespalt, schizophren,
um böse Taten, gute Lügen nie verlegen, stets lächeln auf der Bühne stehn.
Doch wird das Rauben ohne uns kaum geh'n,
die nackt geschor'ne Herde wäre nicht durch's Spiel zu führen,
dann müßte Polizei an jeder Haustür stehen,
und Militär die Mieten einkassieren.
Wir Janusköpfe bilden das Scharnier, das diese Welt
von Raub und Trug und Krieg und Lüg' im Innersten zusammenhält.
Damit der Krebs sein Wuchern gierig nährt
und Mensch' wie Schafe in den Fleischwolf führt.
Das ganze ist ein großes Schauspiel, schaurig schön zu sehen
hier oben vom erhab'nen Ort, man darf halt nicht dort unten steht.
Die Erschöpften: der Mut
(Text zu Sibelius Op 26 'Finlandia')
Rauben, Pressen
wütet in deiner Welt.
Trügen, Lügen
hat sich zu dir gesellt.
nichts davon hast du dir selbst gewählt.
Arbeit ist dir die Lebenszeit!
Aus Deiner Hand wächst Haus und
Stadt und Land und die Gerechtigkeit!
Wer weist Dir Wege? Wer regiert Dein Leben?
Wer schafft Dir Armut und füllt seinen Hort?
Wer stiehlt Dein Werk? Wer presst aus Deinem Streben
Zwingt Dich mit Unrecht und mit falschem Wort?
Benenn die Räuber, furchtbar Unfruchtbare,
gieriges Wuchern, Unheil aller Ort.
Stör' falschen Frieden, brich die böse Regeln,
verwehr' ihr Spiel, laß Truggefolgschaft ruh'n.
Setz' neue Regeln, die den Menschen achten,
schütze das Eigentum aus Menschen Tun.
Bestraf den Räuber, lüfte sein Geheimnis,
werd' deiner Herr, sei nie mehr Untertan
Habe den Mut zur Tat